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Server-Lore

Man sagt, dass der Kontinent einst unter einer Krone vereint war.

Weit im Süden, dort, wo der Wind die Dünen von Valesos über die Ebenen treibt, liegen die antiken Städte. Ihre Mauern ragen noch immer aus dem Sand, gewaltig und bleich, und ihre goldenen Dächer sollen selbst in der Mittagssonne so hell geleuchtet haben, dass Reisende glaubten, darin brenne die Sonne selbst. Niemand weiß mehr, wer sie erbauen ließ. Manche behaupten, es seien die Werke vergessener Könige gewesen, andere schreiben sie einem Volk zu, das längst im Sand begraben liegt.

Doch die Städte leben noch.

Durch ihre Häfen ziehen Händler aus aller Welt. Dschunken mit purpurnen Segeln gleiten über die Meerenge, beladen mit Seide, Gewürzen, Edelsteinen und fremden Waren. Von den Küsten Valesos bis zu den fernen Inseln kennt man die Lieder ihrer Seeleute. Gold wechselt den Besitzer, ebenso wie Gerüchte, und in den Schenken der Handelshäfen hört man Geschichten über Länder, die kein Reisender je gesehen hat.

Im Zentrum des Kontinents beginnt das Land der wulpischen Königreiche.

Einst erstreckte sich ein Kaiserreich von den südlichen Ebenen bis zu den eisigen Fjorden des Nordens. Wulfgar der Schreckliche, wie ihn die Chroniken nennen, soll mit eiserner Hand über seine Untertanen geherrscht haben. Unter seinem Banner fielen Königreiche, Städte öffneten ihre Tore und ganze Völker schworen ihm die Treue.

Doch kein Reich ist für die Ewigkeit gebaut.

Wulfgars Kaiserreich zerbrach nach seinem Tod. Seine Nachfolger stritten um die Krone, seine Statthalter erklärten sich zu Königen und seine alten Straßen verfielen. Was einst ein einziges Reich gewesen war, wurde zu einem Flickwerk aus Fürstentümern, Burgen und zerstrittenen Königreichen, was wir heute als Mesyrna kennen.

Dort stehen noch immer die Mauern der einstigen Hauptstadt. Ihre Türme sind geborsten, ihre Hallen leer und über den alten Kaiserstraßen wächst Gras. Könige sitzen auf Thronen, die einst Statthaltern gehörten, und führen Kriege um Grenzen, die auf keiner alten Karte verzeichnet sind.

Und während sie sich bekämpfen, kommen die Nordmar.

Hoch oben, jenseits der bewaldeten Täler und der schwarzen Berge, wo die Fjorde tief in das Land schneiden, leben die Stämme des Nordens. Rau sind sie, und stolz. Sie kennen weder die goldenen Städte von Valesos noch die höfischen Sitten Mesyrnas. Ihre Häuser stehen aus Stein und Holz zwischen Schnee und Fels, und ihre Schiffe liegen in den kalten Gewässern der Fjorde.

Seit Generationen blicken sie auf die Länder des Südens hinab.

Nun kommen sie für ihre Reichtümer.

Wenn die Hörner der Nordmar über den Pässen ertönen, wissen die Menschen in Mesyrna, was folgt. Dörfer brennen. Grenzburgen fallen. Händler verschwinden auf den alten Straßen. Und während die Könige Mesyrnas darüber streiten, wem die Krone zusteht, ziehen die Stämme des Nordens immer weiter nach Süden.

Weit draußen im Meer liegt Myralon, eine Insel, die seit Jahrhunderten von den Menschen gemieden wird. Auf ihr erhebt sich ein gewaltiger Vulkan, doch sein Krater ist längst erkaltet. Nur die zerklüfteten Hänge erinnern noch daran, dass hier einst Feuer aus der Erde brach.

Vor mehr als tausend Jahren soll König Mykolos diese Insel für sich beansprucht und sie Myralon getauft haben. Dort ließ er einen gewaltigen Tempel errichten. Mykolos wurde als mächtig und unermesslich reich beschrieben, doch sein größter Wunsch sollte zugleich sein Untergang werden.

Der Legende nach führte der König eines Tages ein geheimes Ritual durch, mit dem er seinem baldigen Tod entrinnen wollte. Niemand weiß, was in jener Nacht wirklich geschah. Sicher ist nur, dass der Vulkan erwachte. Feuer, Asche und geschmolzenes Gestein ergossen sich über die Insel. Der Tempel wurde unter Stein begraben, und mit ihm verschwand Mykolos aus der Geschichte.

Jahrhunderte später errichtete Kaiser Wulfgar der Schreckliche auf den Ruinen eine Strafkolonie. Seine Geologen vermuteten tief unter der Erde reiche Erzvorkommen. Wulfgars Krieg zur Unterwerfung des Kontinents verschlang gewaltige Mengen an Rohstoffen. Gefangene aus allen Teilen des Kontinents sollten die Schätze aus dem Gestein holen.

Doch Wulfgar hatte die Menschen unterschätzt.

Nach wenigen Jahren erhoben sich die Sträflinge gegen ihre Aufseher. Sie eroberten die Trutzburg, vertrieben die Soldaten und machten Myralon zu ihrer Heimat. Aus den ehemaligen Gefangenen wurden Gesetzlose und schließlich Piraten. Generationen lang soll ihre Brut in den Ruinen der alten Festung gelebt haben.

So geriet Myralon in Vergessenheit. Der Vulkan galt als unberechenbar, die Insel als verflucht, und Geschichten über Piraten und verborgene Schätze hielten selbst wagemutige Abenteurer fern.

Denn nun hat ein Händler beschlossen, das Wagnis einzugehen. Auf eigene Faust lässt er die ersten Schiffe nach Myralon segeln und beginnt, eine neue Siedlung zu errichten. In allen Ländern lässt er verkünden, dass jeder Freiherr, Handwerker, landlose Ritter oder Vertriebene willkommen sei. Er verspricht Land, Reichtum und eine neue Zukunft.

Wohin das alles führen wird, werden wir noch sehen.